Plussen is King! – Eric Horster

Plussen is King!

Dass der alte Leitspruch der Suchmaschinenoptimierung „Content is King“ zunehmend seine Gültigkeit verliert bzw. erweitert werden muss, wird insbesondere durch die Sozialisierung (im doppelten Wortsinn) der Google Suche – oder offiziell „Search Plus Your World“ – deutlich. Immer häufiger wird daher für „Context is King“ plädiert. Ähnlich (allerdings in einem anderen Zusammenhang) formuliert dies auch Prof. Dr. Kruse in seinen Thesen zur Digitalisierung der Gesellschaft (PDF). Auf einer Anhörung der Enquete-Kommission stellt er fest, dass eine der Schlüsselqualifikationen heute sei, eine „Wahrnehmung dessen, was zur Zeit resonanzfähig in den Systemen“ ist zu entwickeln bzw. zu haben (Stichwort Empathie). Seine Argumentation hat er eindrucksvoll in drei Minuten Redezeit dargelegt:

In der gleichen Anhörung nennt Peter Kruse auch drei Gründe für die Dynamik der sozialen Medien und die daraus resultierende Machtverschiebung vom Anbieter zum Nachfrager. Diese seien: Vernetzungsdichte, Spontanaktivität und kreisende Erregungen. Wenn wir also etwas innerhalb unseres Netzwerks teilen, dann ist die Wahrscheinlichkeit durch die hohe Vernetzungsdichte groß, dass andere Nutzer spontan dazu animiert werden, dieses weiter zu teilen. Bei einer hohen Resonanzfähigkeit des entsprechenden Themas mündet dies in der genannten kreisenden Erregung und kann sich entsprechend hochschaukeln. Der Anbieter von privaten Unterkünften 9flats hat jüngst gezeigt, wie man diese Resonanzfähigkeit zum eigenen Marketing nutzen kann.

Bei geteilten Inhalten auf Twitter, Facebook oder auf Blogs muss im Kontext des (viralen) Marketings also immer auch antizipiert werden, ob dies von der eigenen Community im Moment interessant ist bzw. Resonanz erzeugt. Man ist dabei aber immer davon abhängig, ob man mit seiner Einschätzung richtig liegt. Der Google Plus Button funktioniert hier konträr und dessen Wirkung wird meiner Meinung nach noch völlig unterschätzt. Zunächst scheint das Drücken dieses Buttons auf einer Seite keinerlei Effekt zu haben – denn die Inhalte erscheinen nicht (anders als beim Facebook share oder dem Twitter Button) automatisch im Google Plus Stream. Die geplussten Seiten werden erst dann sichtbar, wenn ein Mitglied der Community in der Google Suche nach einem bestimmten Thema recherchiert und auf den geteilten Inhalt aufmerksam wird – mehr Kontext geht nicht!

Die Informationen aus anderen Netzwerken wie Twitter und Facebook sind im Gegensatz dazu flüchtig. Zwar gibt es durch Googles Social Search, Facebooks Suche, usw. auch Bestrebungen, diese Informationen zu kontextualisieren, die Relevanz dieser Dienste ist jedoch ungleich geringer. Google Plus ist in diesem Bezug überlegen.  Diejenigen, die die Inhalte teilen können davon profitieren, dass sie für qualitativ Inhalte stehen, denen man vertrauen kann – was sich positiv auf die Reputation auswirken kann. Es sollte aber immer auch reflektiert werden, ob es sich bei den geplussten Seiten tatsächlich um hochwertige Inhalte handelt, mit denen man selbst auch assoziiert werden möchte. Daher plädiere ich hier jetzt für mehr (wenn auch ausgewähltes) Plussen, damit wir alle relevante, hochwertige und individuelle Suchergebnisse erhalten 😉

10. Januar 2012 von Eric Horster
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