Like me, like me, like me – Eric Horster

Like me, like me, like me

Das neue Jahr beginnt wieder einmal mit etlichen Beiträgen dazu, wie sich das Web entwickeln wird und was alles so passieren wird. Gut zu wissen. Ich selbst weiß nicht, was in 2013 alles auf uns zukommen wird. Aber eins weiß ich schon jetzt: Das Facebook Marketing, wie ich es derzeit häufig erlebe, geht mir massiv auf die Nerven!

Teile unser Foto und gewinne!
Sie nehmen einfach kein Ende, diese Gewinnspiele gegen die Facebook AGB: „Gaaanz einfach: Like diesen Beitrag, teile unser Foto und schon nimmst Du am Gewinnspiel teil!“. Das Schlimmste ist: Sie haben Erfolg. Also, wenn man Erfolg mit der Menge an Likes und Shares messen möchte. Aber ist das das einzige Ziel? Ist denn allein die Menge an Likes, Kommentaren und Shares DER Maßstab? Ich persönlich finde das aus zweierlei Gesichtspunkten nicht in Ordnung: 1. Trauen sich andere nicht, solche unlauteren Gewinnspiele zu initiieren und haben dadurch einen massiven Wettbewerbsnachteil. Denn sie bezahlen ihre Sichtbarkeit durch gesponserte Statusmeldungen. Fair ist das nicht. 2. Die Schwemme, mit der diese Postings kursieren, wird langsam zur Plage und ist daher Spam.

Witzig!
Wenn SEO-Agenturen plötzlich anfangen, debile Nerd-Comics zu posten, wenn von „fill-in-the-blank“ Strategie (sic!) gesprochen wird, dann stelle ich mir schon die Frage: Passt das zu den Markenwerten? Sicher, es passt zu Facebook. Und daher kommt dann auch das entsprechende Engagement. Aber mittlerweile habe ich das Gefühl, dass wir uns mit dieser Art des Marketings auf einen Bereich zubewegen, bei dem wir im SEO schon vor Jahren waren: Was im SEO Keyword-Überoptimierung war, sind heute solche Statusmeldungen. Die Frage: „Wird eigentlich für Google oder für den Nutzer optimiert?“ ist beantwortet. SEO befindet sich im Wandel. Die Frage: „Optimieren wir dafür, dass möglichst viele Leute liken, oder aber dafür, dass Mehrwerte für die Fans/Kunden geschaffen werden?“ steht noch im Raum und schließt sich auch grundsätzlich nicht aus. Aber imho in den meisten Fällen schon.

Technisch gesehen…
Dann wieder gibt es Infografiken, in denen Statistiken aufgezeigt werden: Zu welcher Zeit gepostet werden muss, ob Videos, Bilder oder Texte bessere Likeraten erreichen. Ob ein 😉 ein 🙂 oder ein <3 besser ist…Entschuldigung, aber irgendwie bewegen wir uns hier gerade in absurde Sphären.

Push it to the limit?
Unabhängig davon sind alle der oben genannten Ansätze einem klassischen, massenmedialem Ansatz entlehnt. Hier wird kein Dialog angestrebt. Kein aufrichtiger zumindest. Dem Nutzer helfen diese Postings auch nicht. Und die ganzen Social Media Phrasen von „Kommunikation auf Augenhöhe“, usw. wirken in diesem Kontext lächerlich. Daher sollten wir uns vielleicht fragen, wie 2013 wieder etwas mehr Sinnhaftigkeit innerhalb Facebooks erreicht werden kann, ohne dabei den Humor zu verlieren. Oder?

PS: Fragen am Ende eines Postings erreichen statistisch gesehen übrigens höhere Kommentarraten 🙂

05. Januar 2013 von Eric Horster
Kategorien: Hotellerie, Online Reputation, Social Media, Trends | Schlagwörter: , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. „Like it“ !!
    100% Zustimmung, lieber Herr Horster!

  2. DANKE, Eric!
    Genau das, was ich mit http://www.netzvitamine.de/blog/digitales-understatement-wie-internet-zur-professionalisierung-zwingt.html „damals“ schon (unter anderem) angesprochen habe: „[…] Wie Hotel A auf das Post von Hotel B noch eins draufsetzen muss. Wie DMO X mit noch überflüssigeren Preisen als DMO Y Gewinnspiele auslobt. Wie der eine Verband beim anderen kommentiert, dass es in seiner Destination 2 Grad wärmer ist und die Sonne täglich 37 Minuten länger scheint. […]“

    Wobei ich glaube, dass die Ursache auch ein bisschen an den Dingen liegt, die Facebook zu dem gemacht haben, was es ist: einerseits Facebook selbst. Während es früher hieß „was machst Du gerade?“ frägt mich die Kiste heute im 5-Minuten-Takt was anderes und das nicht nur für mein privates Profil. „Wie fühlst Du Dich?“, „Wie war Dein Tag?“, „Informiere Deine Fans, was Dein Unternehmen über die Feiertage macht“ undsoweiter.

    Und dann sind da die „Multiplikatoren“ bzw. Geeks und Nerds. Noch 2008 nutzten all diese Facebook, um wirklich sinnvolle und nützliche Erfahrungen, Links, Gedanken etc. auszutauschen. Die gleichen Personen posten heute im selben Rhythmus jedoch nur noch – zu 70% – überflüssigen Schmarren, selbstdarstellerische Lobhudeleien und die tollkühnen Erfolge des eignen Unternehmens.

    Ja, da wird jeder dazu verleitet, wenn man stolz auf etwas ist. Mich selbst sowas von eingeschlossen. Und jedem wird es einmal und zweimal und auch dreimal nachgesehen. Doch jeden Monat die selbe Leier und jeden Tag der selbe Mist? Spannend finde ich da gerade auch die letzten 4 Wochen: Heilig Abend, Silvester etc. Leute, gibt es nichts anderes an solchen Tagen, als Facebook? Oder liegts an mir?

    …von daher schließ ich mich Deiner Frage an, Eric: Schaffen wir es, dass Facebook 2013 wieder mehr Spaß macht, weil es mehr sinnhafte Posts beinhaltet? 😉

  3. Gefühlt ging es mir das ganze Jahr 2012 auch schon so mit Facebook. Wobei wir da den gemeinen Alltagsuser nicht vergessen dürfen: der hat eine ganz andere Sicht auf die Dinge als wir und: Facebook ist eben ein Massenmedium (geworden) . Mit dem ist öffentliche 1to1 Kommunikation zwar auch möglich – der Rest ist eben eher Direktmarketing, nur das man nicht weiss, ob die Botschaft überhaupt dem User zugestellt wird 🙂 Die letzten Zahlen zur Nutzungsintensität zeigen soweit mir bekannt ja auch eher nach unten – wohl auch eine Folge der zunehmenden austauschbaren Belanglosigkeiten…

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