HolidayCheck Deals: Ein Gespräch mit Olaf Dierich

Bereits nach einem halben Jahr zieht sich HolidayCheck wieder aus dem Rabattgeschäft zurück. Noch Ende November 2011 ging das Portal mit so genannten „Speed Deal Days“ in die Offensive. Jetzt ist auf der offiziellen Seite von „HolidayCheck Deals“ zu lesen, dass „in der nächsten Zeit“ keine weiteren Deals angeboten würden.

Um eine professionelle Einschätzung zum Stopp des Coupongeschäftes bei HolidayCheck zu bekommen, konnte ich Olaf Dierich dafür gewinnen, einige Fragen hierzu zu beantworten. Herr Dierich ist Direktor vom Relexa Hotel Bellevue in Hamburg. Er beobachtet die Marktentwicklung der „Deal-Portale“ (wie bspw. auch Groupon) von Beginn an und gilt als Kenner und Kritiker dieser Geschäftsmodelle und deren Auswirkungen auf die Hotellerie.

Welche Fehler hat HolidayCheck Deiner Meinung nach bei der Einführung der Deals gemacht?

Ich denke nicht, dass hier Fehler gemacht wurden. Allerdings kam die Markteinführung zu einem Zeitpunkt, als sich schon viele Firmen platziert hatten.

HolidayCheck sollte sich zukünftig auf seine Kernkompetenz konzentrieren. Und das sind die Bewertungen, über die dann auch das weitere Geschäft generiert wird. User auf HolidayCheck wollen Bewertungen lesen und eventuell auch gute Angebote buchen. Diese müssen aber für den Nutzer sichtbar bei den Bewertungen platziert sein.

Was können Rabattportale in der Zusammenarbeit mit der Hotellerie grundsätzlich besser machen?

Die Konditionen für die Vermittlung sind zum größten Teil noch immer zu hoch. Google (DailyDeal) hat hier ja schon die Konditionen verbessert und wird dadurch auch mehr Hotels für die Deals begeistern können.

Grundsätzlich sind aber 50% Rabatt auf das Angebot und zusätzlich 30 bis 50% Marge der Portale zu hoch. Die Hotels beschweren sich, dass sie bei booking.com 25% zahlen müssen und hier sprechen wir von mehr als 60% Rabatt und Provision. Da stimmen die Relationen nicht mehr, auch wenn man mit einem Schlag bis zu 7 Millionen User ansprechen kann.

Welches sind Deiner Meinung nach die Gründe für den Stopp der HolidayCheck Deals?

Die wahren Gründe werden wir wohl nie erfahren. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass der Umsatz unter den Erwartungen geblieben ist und es sich daher nicht gelohnt hat. Vielleicht hat man aber auch festgestellt, dass der HolidayCheck-User nicht unbedingt ein Schnäppchenjäger ist, sondern eher die Bewertungen ins Verhältnis zum Preis stellt.

Wer sich bei HolidayCheck informiert sucht schließlich ein gutes Hotel, dass von anderen erfolgreich getestet wurde und nicht unbedingt eine billige Unterkunft.  Qualität ist vielen – trotz aller Schnäppchen – vielleicht doch noch wichtiger als der Preis.

Ist das Scheitern der HolidayCheck Deals ein genereller Ausdruck dafür, dass „Online-Deals“ und Hotellerie nicht zusammenpassen oder passten die Deals einfach nicht zu HolidayCheck?

Die Deals passten einfach nicht zu HolidayCheck (siehe oben). Dennoch bleibe ich auch bei der Meinung, dass Hotels sich nicht per Deals vermarkten sollten, da die Preise in Deutschland schon genug gelitten haben. Auch hier gibt es Ausnahmen und bei halbwegs guten Konditionen sowie einem gut kalkulierten Angebot, kann man auch etwas erreichen. Allerdings muss der 50%-Wahnsinn ein Ende haben.

Steht der Stopp der Deals Deiner Meinung nach in Verbindung mit der Klage der A&O Hotels, bei der es ja auch um die Frag geht, ob HolidayCheck primär kommerzielle Absichten verfolgt?

Dass HolidayCheck kommerzielle Absichten verfolgt, ist ohnehin klar und dafür brauchen wir A&O nicht. Aber ich glaube nicht, dass HolidayCheck sich wegen der Klage zurückgezogen hat. HolidayCheck lässt sich davon sicherlich nicht beeinflussen und würde eher die Rechtslage bis zum Ende klären.

Olaf, ich danke Dir sehr für Deine Einschätzung und das Gespräch!

4 Gedanken zu „HolidayCheck Deals: Ein Gespräch mit Olaf Dierich

  1. Olaf und Eric zusammen in einem Interview…dass ich das noch einmal erleben darf 🙂
    Gute Fragen und gute Antworten, vielleicht kannst Du Holidaycheck ja auch noch zu einigen Antworten motivieren.
    Lieben Gruß aus der Lüneburger Heide

  2. Lieber Olaf, lieber Eric,

    vielen Dank für Euren Beitrag.

    Ich sehe die ganze Sache etwas differenzierter.
    Olaf, ich geben Dir Recht, HolidayCheck steht möglicherweise nicht
    für eine Verkaufsplattform und hat es daher erheblich schwerer, Kunden
    für Käufe, besonders Spontan-Käufe zu begeistern.

    Was die Kalkulation der Rabatte betrifft wissen wir alle, dass so mancher
    Anbieter von Deals wahre Mondpreise als Übernachtungspreise ausgibt, um die
    Rabatte von 50% oder mehr ausloben zu können. Soweit ich weiss, laufen dagegen
    bereits Verfahren von Verbraucherschützern.

    Wir, beauty24, haben gute Erfahrungen mit Wellness-Deals gemacht, die einerseits
    hart kalkuliert sind – aber andereseits allen Beteiligten noch Spaß machen.

    Meiner Meinung nach liegt die Kunst, Reise-Deals an den Mann bzw. Frau zu bringen,
    in einer komplexen Marketing-Strategie. Der Aufbau für diesen Mix benötigt
    mehr Zeit, als sich der eine oder andere geben will. Möglichweise müssen Deals
    auch zur Marke passen, um positiv wahrgenommen zu werden.

    Deals können funktionieren. Auch für Hotels.

    Beste Grüße
    Roland
    beauty24.de

  3. Guten Tag zusammen!
    Die Mondrabatte der Deal Anbieter wie auch anderer Vermarktungsplattformen sind garantiert ein Thema.

    Dazu kommt das sich das Hotel mit der „Geiz-ist-Geil“ Klientel wahrscheinlich kein wiederkehrendes Publikum aufbaut.

    Aus diesen Grunden -unabhängiger von Fremdvermarktern werden- muss das Hotel seine Eigenvermarktung stärken. Ein Anbieter wie myobis.com bietet ein ausgereiftes Terminbuchungs- und Gutscheinsystem das sich hervorragend gerade für tour. Zusatzdienstleistung wie Wellnesspakete nutzen lässt. Zudem öffnen sich mit der Nutzung damit weitere, durch myobis bereitgestellte Vermarktungsplattformen/Vertriebskanäle zu sehr attraktiven Konditionen.

    Viele Grüße
    Markus Ritter
    http://www.adaufzeit.de

  4. Hallo Roland,

    jetzt hätte ich fast vergesse, Dir zu antworten, sorry.

    Wie ich ja schon gesagt habe, können bestimmte Deals funktionieren. Die, die schön gerechnet werden in der Regel nicht, weil der Käufer auch nicht dumm ist.

    Der viel beschworene und immer wieder genannte Marketing-Mix verschließt sich mir aber in Teilen noch immer. Es kann nicht Bestandteil meines Marketing-Mix sein, mir Gäste ins Haus zu holen, die wenig zahlen, mir kaum Gewinn bringen, die keine Stammgäste werden und mich zum Dank noch schlecht bewerten. Das ist kein Marketing-Mix, dass ist ein kleiner Marketing-Selbstmord.
    Und selbst, wenn bei jedem Gast 5,00 € übrig bleiben, muss man dann noch mal den Aufwand dagegen rechnen. Von wegen Personal ist ja eh da, wie immer wieder gern gesagt wird.
    Aber ich verheize meine Mitarbeiter nicht, für einen Handvoll Dollar, nur damit in der Nebensaison das Haus etwas voller ist.

    Aber wie gesagt, es gibt auch Ansätze, wo das nicht so ist. Diese kannst Du aber suchen, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen.

    Wenn das bei euch klappt, dann finde ich das gut und wenn die Hotels auch zufrieden sind, noch besser.
    Ich habe nur leider keinen Wellnessbereich, sonst würde direkt zu euch kommen :-).

    Schöne Grüße

    Olaf Dierich
    http://www.relexa-hotel-hamburg.de

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