Curation: Renaissance des Informationsverhaltens – Eric Horster

Curation: Renaissance des Informationsverhaltens

Dieser Artikel von mir wurde erstmalig am 09. Juni 2011 als Gastbeitrag bei Allfacebook veröffentlicht.

Der Einfluss von Curationdiensten auf die Internetnutzung wird zunehmend diskutiert. Curation bezeichnet in diesem Kontext die Aggregation und Auswahl von Informationen und fungiert somit als Filter von Inhalten. Die unterschiedlichen Dienste reichen dabei von automatisierten „Social Magazines“, bei denen die Linksammlungen einer Person in einem Zeitschriftenformat zusammengetragen werden, bis hin zu manuellen Diensten wie Storify, wo Informationen von bspw. Veranstaltungen aus verschiedenen Plattformen (Twitter, Youtube, Flickr) zusammengetragen werden können, um so die Geschichte des Events nachzuzeichnen.

Aber warum werden Curationdienste eigentlich gerade jetzt thematisiert und genutzt? Meine Antwort hierauf bezeichne ich als „Renaissance des Informationsverhaltens“. Es geht hierbei im Kern um die Überlegung (ohne dafür empirische Belege bereitstellen zu wollen), wie sich die Suche durch Social Media verändert. Und angelehnt daran die Frage, ob Informationssuche über Google auch in Zukunft dominieren wird.

Suchmaschinen (resp. Google) haben über Jahre das Internet dominiert. Die Massen an Daten zu strukturieren und auffindbar zu machen war und ist das Ziel. Bevor Suchmaschinen Inhalte für den Nutzer strukturierten, ließ man sich durch das Internet treiben. Das folgen von Linkempfehlungen auf Internetseiten dominierte. Denn eine effiziente Form der Strukturierung gab es nicht. Der Begriff des „Surfens“ umschreibt diese Form des „sich treiben lassen“ sehr gut. Die Aufnahme von Informationen via Social Networks kommt diesem ursprünglichen Verhalten wieder sehr nahe. Mit dem Unterschied, dass die Informationen früher zwar von einer Internetseite bereitgestellt wurde, aber nicht direkt in einen sozialen Kontext eingebettet werden konnten. Dies ist im Social Web anders. Hier besteht dem Mensch als soziales Wesen die Möglichkeit, sich im Austausch mit anderen zu definieren. Menschen finden Informationsempfehlungen, denen vertraut werden kann. Ursprung des Vertrauens ist dabei die Beziehung zum Interaktionspartner sowie das Wissen über gleichgelagerte Interessen. Es werden also Informationen gefunden, die vormals gesucht worden wären.

Doch die Neuigkeiten innerhalb von sozialen Netzwerken (resp. Facebook) sind häufig durchzogen mit uninteressanten Inhalten. Hier setzt die Notwendigkeit von Curationdiensten an. Einen automatischen Filter hat Facebook mit seinem EdgeRank integriert. Dieser filtert die so genannten „Hauptmeldungen“ nach der Relevanz innerhalb des eigenen Freundschaftsnetzwerkes und sortiert die Einträge mittels eines Algorithmus. Streng genommen ist der EdgeRank also auch eine Art Curationdienst. Auch konventionelle Suchmaschinen bieten zunehmend eine soziale Einbettung an. Doch sind die Mechanismen bei der Informationsaufnahme über soziale Netzwerke andere: Es ist keine gezielte Suche, sondern ein indirekter sozialer Austausch. Curation ermöglicht es also, relevante Inhalte des eigenen sozialen Netzwerkes zu identifizieren. Und damit zu verfolgen, mit welchen Themen sich wichtige Menschen innerhalb des Freundschaftsnetzwerkes auseinandersetzen. Der Qualitätsfaktor ergibt sich hierbei aus dem sozialen Kontext und dem Wissen, welche Personen hochwertigen Content bereitstellen bzw. ähnliche Interessen verfolgen wie man selbst. Die klassische Suche könnte somit hinter das Finden von Inhalten in sozialen Netzwerken zurücktreten. Denn durch soziale Netzwerke und Curationdienste hat sich das Informationsverhalten insgesamt weiterentwickelt.

Um diese Hypothesen weiter zu untermauern, möchte ich die Frage stellen, wie ein Informationsbedürfnis (also der Schritt vor der Suche) entsteht. Meiner Meinung ist der Ursprung hierfür immer im sozialen Austausch zu finden. Und dieser findet digital über soziale Netzwerke statt. Die gezielte Suche wird also zunehmend der zweite Schritt sein. Um Zusatzinformationen zu recherchieren. Der Ursprung, weshalb also Facebook für Google eine direkte Konkurrenz darstellt ist nicht, dass Google eine schlechte Suche anbietet, sondern dass wir als Nutzer unser Verhalten angepasst haben.

Sie sind anderer Meinung? Dann bin ich gespannt auf Ihre Argumente!

09. Juni 2011 von Eric Horster
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